«Harte Lektion»: WM-Aus Rückschlag für US-Soccer
Rustenburg (dpa) - Edelfan Bill Clinton machte auf der Tribüne ein langes Gesicht. «Fußball ist manchmal ein grausames Spiel. An einem Tag bist Du ganz oben, am nächsten liegst Du total am Boden», stammelte US-Star Landon Donovan nach dem WM-Aus im Achtelfinal-Krimi gegen Ghana tief betroffen.
Das bittere 1:2 nach Verlängerung zerstörte einmal mehr die Hoffnungen der Amerikaner auf ein Soccer-Märchen, das dem Fußball in den Staaten zu neuen Höhen hätte verhelfen können. «Wir hatten die Chance, weit zu kommen - jetzt sind wir einfach enttäuscht», bekannte Trainer Bob Bradley.
Der WM-Knockout von Rustenburg traf das größte Teilnehmerland offenbar ziemlich unvorbereitet. «Es ist hart, jetzt nach Hause zu gehen», klagte Keeper Tim Howard, den vor allem bei Ghanas frühem 1:0 von Kevin-Prince Boateng eine Mitschuld traf. Dabei hatten sich die US-Boys zuvor ganz unverhohlen schon bis ins Halbfinale gerechnet, gegen Ghana und Uruguay schien der größte WM-Erfolg seit 80 Jahren möglich. «Im Moment fühlt sich keiner gut. Wir haben an uns geglaubt, waren so zuversichtlich - und dann das», jammerte Trainer-Sohn Michael Bradley von Borussia Mönchengladbach.
Minutenlang verharrten die Spieler nach dem Schlusspfiff in Schockstarre im Royal-Bafokeng-Stadion, ehe die Suche nach Erklärungen begann. «Große Spieler zeigen sich in großen Spielen. Davon hatten wir heute zu wenige. Wir können nicht immer auf magische Momente hoffen», urteilte England-Legionär Howard. Größte Sorge bleibt die Sturmschwäche. Wie schon vor vier Jahren bei der WM in Deutschland traf keiner der US-Angreifer.
Zudem kosteten die vielen Aufholjagden enorm Kraft, die am Ende fehlte. In drei von vier Spielen in Südafrika liefen die Amerikaner Rückständen nach. Ganze drei Minuten lagen sie im ganzen Turnier in Führung - nach Donovans 1:0 in der Nachspielzeit gegen Algerien. «Den USA gehen die Comebacks aus», titelte der «Miami Herald» treffend. «Keine Ahnung, vielleicht hatten wir einfach nichts mehr zuzusetzen, weil wir das ganze Turnier schon soviel Gas geben mussten», meinte Kapitän Carlos Bocanegra. «Das ist eine harte Lektion, aus der wir lernen müssen», sagte Coach Bradley.
Vor allem im Kampf um die Sportfans in der Heimat ist das WM-Aus ein Rückschlag für «US Soccer». «Wir wissen um die Verantwortung, die wir als Nationalteam haben. Jetzt müssen wir das genau analysieren», betonte Bradley zerknirscht. Nach dem dramatischen Sieg im Gruppenfinale waren seinem Team sogar die Herzen aus dem Weißen Haus zugeflogen, nun dürfte sich das Interesse schnell wieder der übermächtigen Konkurrenz Baseball, Basketball oder American Football zuwenden.
«Das ist frustrierend, weil wir soviel Arbeit investiert haben. Das stinkt mir einfach», sagte der frühere Bundesliga-Profi Donovan. Erst allmählich machte sich Trotz bei seinen Teamkameraden breit. «Wir können mit erhobenem Kopf gehen und sagen, wir haben alles gegeben», erklärte Abwehrchef Bocanegra. Und Verteidiger Jonathan Bornstein meinte: «Wir müssen jetzt eben vier Jahre warten und es dann wieder probieren.»
UEFA-Funktionär unter "Manipulations-Verdacht“
Der Wettskandal zieht weiter seine Kreise und macht vor Niemandem Halt. Nun steht sogar ein UEFA-Funktionär unter "Manipulations-Verdacht“. Wie der "Spiegel" berichtet, soll dieser an der geplanten Manipulation von Spielen in diversen Uefa-Wettbewerben beteiligt gewesen sein.
Ein Eklat. Wenn man bedenkt, dass selbst hohe Offizielle in Wettbetrug verwickelt sein sollen. Doch gerade dies bestätigen laut Nachrichtenmagazin "Spiegel" Akten der Bochumer Staatsanwaltschaft, die gegen eine Bande mutmaßlicher Wett-Betrüger vorgeht.
Es soll sich dabei um den Slowaken Jozef M. handeln, einem der 15 Mitglieder der UEFA-Schiedsrichter-Kommission. Der Funktionär soll sich mit einem gewissen Marijo C. in einem kleinen Städtchen in der Slowakei getroffen haben. Der Bosnier sitzt zur Zeit in Untersuchungshaft.
Thema des Geheimtreffens sei gewesen, einen bosnischen Schiedsrichter in die zweite Leistungskategorie zu befördern, um auch auf Europa-League-Spiele Einfluss nehmen zu können.
Wettbetrug von höchster Stelle?
Der besagte Referee Novo Panic aus Bosnien soll für die Spiel-Manipulation des U21-Länderspiels zwischen der Schweiz und Georgien im November 2009 50.000 Euro erhalten haben. Panic dementierte bisher alle Vorwürfe, ist aber trotzdem lebenslang gesperrt.
Wie die UEFA nun im Fall von Jozef M. vorgehen wird, bleibt abzuwarten. Eine prekäre Angelegenheit: Denn gehen die Beziehungen der Wett-Betrüger bis in die UEFA-Zentrale? Der Slowake jedenfalls bestreitet jegliche Beziehungen zu Marijo C. und dessen Kumpanen.
Gelbfieber und Schiris sorgen Portugal: Deco fit
Magaliesburg (dpa) - Vor dem zündstoffgeladenen Nachbarduell im WM-Achtelfinale gegen Europameister Spanien zittert Portugal nicht vor dem starken Gegner.
«Aber ich muss sagen, die Schiedsrichter bereiten mir schon etwas Angst», sagte der portugiesische Fußball-Nationaltrainer Carlos Queiroz im südafrikanischen WM-Quartier in Magaliesburg. Das von vielen beklagte «Gelbfieber» der WM erwischte die Portugiesen besonders schlimm. Nicht weniger als sieben Spieler der «Lusos» gehen vorbelastet in die Begegnung am Dienstag in Kapstadt gegen Spanien, darunter auch Superstar Cristiano Ronaldo. Die gute Nachricht: Regisseur Deco ist wieder fit.
«Natürlich habe ich Angst. Portugal hat sieben gelbe Karten, Spanien kein einzige. Das kann niemand verstehen. Wir müssen uns nun besonders konzentrieren», meinte Queiroz. Allein beim 0:0 gegen Brasilien am 25. Juni hatten vier Portugiesen gelb gesehen. Spanien mache ihm aber keine Angst, beteuert der Coach. Vom Achtelfinale an gebe es keine Favoriten mehr. «Ich habe das Gefühl, dass das Beste für uns noch kommt», meinte Queiroz optimistisch. Der 32 Jahre alte Deco, der die zwei letzten Spiele wegen einer Hüftverletzung gefehlt hatte, habe beim Training gegen ein südafrikanisches Jugendteam eine gute Figur gemacht und sei einsatzbereit.
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