«Edu macht's!»: Provinz-Keeper überstrahlt Ronaldo
Magaliesburg (dpa) - Portugals Publicity-König Cristiano Ronaldo hat überraschend Konkurrenz im eigenen Haus bekommen. Nicht der Sturmstar von Real Madrid, sondern ein schüchterner Nobody aus der portugiesischen Fußball-Provinz begeistert zur Zeit bei der WM in Südafrika Fans und Medien in Lissabon.
Mit tollen Leistungen und aufsehenerregenden Statistiken nährt Torwart Eduardo die Hoffnungen auf ein Weiterkommen im zündstoffgeladenen Achtelfinal-Nachbarduell gegen Europameister Spanien.
Auch bei seinen Kollegen. «Wir können Spanien schlagen. Wir haben die beste Abwehr und vor allem den besten Torwart der Welt», sagt Ersatz-Schlussmann Beto. Die Zeitung «Público» würdigt die «sicheren Hände» des vor kurzem noch mit Misstrauen beäugten Eduardo Dos Reis Carvalho.
Vor vier Jahren spielte der heute 27-Jährige noch ab und zu in der zweiten Mannschaft des Provinzvereins Sporting Braga. Zur WM 2006 fuhr er als Fan mit dem Auto («Es war billiger») nach Deutschland. In vier Jahren hat sich viel verändert. Braga machte er mit Glanzparaden in der abgelaufenen Saison zum Titelkandidaten, der sich am Ende noch für die Champions League qualifizierte.
Bei der WM ist Eduardo der einzige noch unbezwungene Tormann. Mehr noch: In 18 Länderspielen hat er seit seinem internationalen Debüt im Februar 2009 gegen Finnland nur drei Treffer kassiert. Die letzte acht Spiele absolvierte er «zu Null». Mit ihm im Kasten hat Portugal nie verloren. «Edu macht's!», sagte ein Fan in Südafrika.
Auch der frühere portugiesische Superstar Paulo Futre setzt inzwischen eher auf Eduardo denn auf Ronaldo. «Bislang war er brillant. Bei den großen Spielen, wie gegen Brasilien, sieht man, wie gut ein Torwart wirklich ist. Wir haben ein sehr solides Team».
Lob bekommt Eduardo sogar von der prominenteren Konkurrenz. Der Brasilianer Julio César, der als bester Tormann der Welt gilt, sagte: «Er spielt eine tolle WM. Als Torwart weiß man ja, wie schwer es ist, keine Tore zu kassieren. Vor allem bei so einem Turnier.» Eduardo bleibt bescheiden. «Niemand erreicht Erfolge allein. Dass ich keine Tore kassiere ist natürlich gut für das Selbstvertrauen. Aber wichtig ist, dass das Team gut und solidarisch spielt.»
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Vor dem Duell der Navegantes («Seefahrer») mit Spanien zittert Portugal nicht unbedingt vor dem starken Gegner. «Aber ich muss sagen, die Schiedsrichter bereiten mir schon etwas Angst», sagte Portugals Nationaltrainer Carlos Queiroz im WM-Quartier in Magaliesburg. Das von vielen beklagte «Gelbfieber» der WM erwischte die Portugiesen besonders schlimm. Nicht weniger als sieben Spieler der «Lusos» gehen vorbelastet in die Begegnung am Dienstag in Kapstadt gegen Spanien, darunter auch Superstar Ronaldo.
«Natürlich habe ich Angst. Portugal hat sieben Gelbe Karten, Spanien kein einzige. Das kann niemand verstehen. Wir müssen uns nun besonders konzentrieren», sagte Queiroz. Allein beim 0:0 gegen Brasilien am Freitag hatten vier Portugiesen Gelb gesehen. Spanien mache ihm aber keine Angst, beteuert der Coach. Vom Achtelfinale an gebe es keine Favoriten mehr. «Ich habe das Gefühl, dass das Beste für uns noch kommt.»
Maradonas Mann im Hintergrund: Titelmacher Bilardo
Johannesburg (dpa) - Er steht am Rand und beobachtet. Die Meinung von Carlos Bilardo ist stets gefragt. Der als Trainer unerfahrene Diego Maradona ist der «zwölfte Mann» der argentinischen Nationalmannschaft, sein Teammanager der Stratege.
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Bilardo galt schon zu seiner eigenen Zeit als Auswahl-Coach der Südamerikaner als Verfechter von Disziplin und Ordnung auf dem Spielfeld. Doch jetzt bleibt er im Hintergrund und überlässt seinem einstigen Schützling Maradona die Bühne: «Ich habe am ersten Tag gesagt, er ist der, der bestimmt.»
Maradona und Bilardo kennen ihre Rollen. Der eine lernte sie in den vergangenen zwei Jahren und erlebt bei der WM in Südafrika seine Reifeprüfung als Trainer. Der andere legte seine Meisterprüfung mit Auszeichnung ab: Bilado führte die «Albiceleste» 1986 auf den WM-Thron - Maradona war in Mexiko der überragende Spieler.
Bilardo kennt das Trainergeschäft aus dem Effeff. Mit 32 Jahren startete er seine Laufbahn auf der Bank von Estudiantes de la Plata. Mit dem Club hatte er als Spieler auch die Meisterschaft und den Weltpokal geholt (1968). 1983 wurde Bilardo Nationalcoach seines Heimatlandes, ein Trainerengagement in Kolumbien zuvor war nur eine Kurzzeit-Expedition.
Länger hielt sich Bilardo auf der Bank der «Albiceleste». Erst nach der WM 1990 in Italien und der verpassten Titelverteidigung durch eine 0:1-Niederlage gegen Deutschland war Schluss. Anschließend heuerte Bilardo beim FC Sevilla an. «Ich habe alles verloren, was ich als Trainer von 1977 bis 1990 verdient habe», räumte er damals ein.
Mit Maradona als Spieler wollte er den Erfolg kaufen. Es misslang. Bilardo trainierte danach noch die Boca Juniors in Buenos Aires und erneut in Sevilla. Von Sohn des Staatspräsidenten Muammar el Ghaddafi ließ er sich 2000 auch noch nach Libyen locken.
Mit der Ernennung Maradonas zum Trainer der Argentinier kehrte auch Bilardo wieder auf die ganz große Bühne zurück. Mitte September 2009 wurde er zum Interimscoach der «Gauchos» ernannt. Maradona war zum Abspecken in Europa.
Die wenig Appetit machende WM-Qualifikation überstand das Duo, die meisten Prügel bekam Maradona ab. Bilardo blieb wieder im Hintergrund. Für Schlagzeilen und Kopfschütteln sorgte er dann aber zu Beginn der Titelkämpfe. Mit derber Wortwahl erklärte der promovierte Arzt, er wolle sich im Fall eines WM-Triumphs vom Schützen des entscheidenden Tores von «hinten nehmen lassen». Bilardo ist für seine Sprüche unter der Gürtellinie bekannt.
Maradona plauderte vor dem ersten K.o.-Match am Sonntag gegen Mexiko lieber über die generelle Bedeutung eines Trainers bei einer Fußball-Weltmeisterschaft. «Diejenigen, die hier die WM entscheiden, sind die Spieler», betonte Maradona. Bilardo blieb wieder im Hintergrund.
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