FIFA gesteht Referee-Pannen ein
Johannesburg (dpa) - Unverständliche Karten-Willkür, unerträgliches Show-Gehabe: Die Schiedsrichter waren bislang das schlechteste «WM-Team» in Südafrika. Nach langem Schweigen hat nun sogar die FIFA erschreckend schwache Auftritte ihrer WM-Referees eingestanden.
«Es gab Entscheidungen, die keine guten Entscheidungen waren», sagte Generalsekretär Je^rome Valcke in Johannesburg. Die für einen Top-Funktionär ungewöhnlich klare Wortwahl, macht deutlich, dass auch in der Führungsetage des Fußball-Weltverbands bis hin zu Präsident Joseph Blatter die diffizile Thematik mit Sorge betrachtet wird. Notwendige Reformen soll es aber frühestens nach dem Turnier in Südafrika geben.
«Wir haben keine Zeit, Veränderungen sofort einzuführen. Das kann für die WM 2014 passieren», sagte Valcke. Dem oft geforderten Video-Beweis oder Chip im Ball erteilte er aber gleich eine Absage. «Das steht nicht zur Debatte», sagte er. Stattdessen plädierte der Franzose für die Einführung der in der Europa League getesteten Tor- Assistenten auch bei WM-Turnieren. «Wir könnten dem Schiedsrichter helfen, wenn ihn mehr Augen unterstützen.»
Aus aller Welt hagelt es derweil weiter Kritik an den 29 WM- Unparteiischen. Auch der neue deutsche Referee-Chef, Herbert Fandel, zeigte sich irritiert. «Die Schiedsrichter-Leistungen haben sich stabilisiert, aber es gab eine verblüffende Phase während der WM mit bemerkenswert negativen Leistungen. Das muss man eingestehen», sagte Fandel am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Immerhin der deutsche WM-Referee Wolfgang Stark bekam für seine drei Auftritte am Kap gute bis befriedigende Noten. Einen richtigen Klops leistete er sich im Gegensatz zu vielen Kollegen nicht.
«Bei einer Weltmeisterschaft sollen die besten Schiedsrichter pfeifen, die auch in den großen Ligen aktiv sind, und nicht Referees, die irgendwo am Strand pfeifen», forderte Schweiz-Coach Ottmar Hitzfeld. Neuseelands Kapitän Ryan Nelsen wunderte sich: «Wenn das die besten Schiedsrichter sind, die die FIFA zu bieten hat, will ich nicht die schlechtesten sehen.»
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Sorge sollte der FIFA machen, dass einige haarsträubende Fehlurteile nicht von Referees aus Fußball-Entwicklungsländern getroffen worden. Auch die Top-Schiedsrichter aus Europa und Amerika waren nicht vor Pannenpfiffen gefeit. Und schlimmer: Die klare Linie fehlte. Spaniens Karten-Meister Alberto Undiano verärgerte in der Partie das DFB-Team mit einem Gelb-Konzert. EM-Finalreferee Roberto Rosetti, der Belgier Frank de Bleeckere oder der Mexikaner Marco Rodriguez stehen längst für ein anderes, unangenehmes Schiriverhalten: Mit affektierten Gesten und übertriebenem Gehabe stellen sie sich für den Geschmack vieler Fußball-Fans zu sehr in den Mittelpunkt.
Wie es besser geht, zeigte ausgerechnet der Schiri-Nobody Rawschan Irmatow. Der Usbeke leitete nicht nur das Eröffnungsspiel, für das er völlig überraschend nominiert wurde, souverän. Auch bei seinen beiden weiteren Einsätzen agierte er unaffektiert und konsequent. Plötzlich gilt der 32-Jährige als Top-Kandidat für das Finale.
Überraschende Unterstützung für ihre Linie bekommen die Referees von Medizinern. FIFA-Chefarzt Jiri Dvorak lobte die Unparteiischen. «Das strikte Einschreiten der Schiedsrichter bei schweren Fouls, die beispielsweise zu Verletzungen im Kopf- oder Nackenbereich führen, führt zu einem Rückgang der Verletzungen» sagte Dvorak, «wir haben weniger Hals- und Rückenverletzungen. Wir haben die Schiedsrichter besonders aufmerksam gemacht, solche Fouls mit Rot zu bestrafen.»
WM bislang sauber
Johannesburg (apn) Bei der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika ist bisher kein Spieler durch Doping aufgefallen. Alle 450 bislang durchgeführten Dopingkontrollen seien negativ ausgefallen, sagte der Chefmediziner des Weltfußballverbands FIFA, Jiri Dvorak, am Sonntag in Johannesburg. Es wäre die vierte drogenfreie WM in Folge.
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Auch die Zahl der Verletzungen pro Spiel sei dank besserer Vorbereitung der Spieler und medizinischer Betreuung von einem Höchststand von 2,7 im Jahre 2002 auf 2,0 zurückgegangen. Während der WM 2006 in Deutschland wurden durchschnittlich 2,3 Verletzungen pro Spiel gemeldet.
«Wir hoffen, dass dieser Trend anhält», sagte Dvorak. Ziel seien weniger als zwei Verletzungen pro Spiel. Der Neurologe lobte besonders die Arbeit der Schiedsrichter, die den Einsatz des Ellenbogens mit einer roten Karte bestraften. Nach einem Zweikampf mit Macbeth Sibaya wurde der französische Spieler Yoann Gourcuff beim letzten Vorrunden-Match gegen Südafrika vom Feld geschickt.
Robben gegen Slowakei nur auf der Bank
Durban (dpa) - Brasilien im Blick, Deutschland im Kopf, gegen die Slowakei aber wohl wieder nur auf der Bank: Die WM in Südafrika muss für Hollands Superstar Arjen Robben erst noch richtig Fahrt aufnehmen.
Nach seinem zwanzigminütigen Kurzeinsatz gegen Kamerun hofft der Flügelflitzer vom FC Bayern München im Achtelfinale gegen die «Underdogs» aus der Slowakei in Durban zwar auf etwas mehr Spielzeit. Volles Risiko wollen Robben und Bondscoach Bert van Marwijk aber noch nicht gehen. «Wir werden nichts überstürzen», sagte van Marwijk vor dem Duell mit dem Überraschungsteam aus Osteuropa - schließlich folgen die vermeintlichen Highlights für die «Elftal» erst nach der ersten K.o.- Runde.
Ein Sieg gegen die Slowakei vorausgesetzt würde der Europameister von 1988 im Viertelfinale womöglich auf Rekordweltmeister Brasilien treffen - und könnte dann einen fitten Robben mit seinen Turbo-Dribblings gut gebrauchen. «Brasilien kann ein Schlüsselspiel für uns werden», sagt Robben, der mit den «Oranjes» endlich den ersten großen Titel gewinnen möchte.
Die Zeit dafür ist reif, findet er und hat auch schon klare Vorstellungen, auf wenn die Niederländer im Endspiel treffen. «Ich traue den Deutschen alles zu», sagte der gebürtige Groninger nach seinem WM-Debüt in Südafrika gegen Kamerun. «Sie können alles gewinnen - nur nicht das Finale.» Denn auf den Hohn und Spott in München nach einer Niederlage in seinem «Traumfinale» würde Robben nur zu gerne verzichten. «Dann kann ich mir gleich einen neuen Verein suchen», witzelt der 26-Jährige.
Das Lachen ist in sein Gesicht zurückgekehrt, dabei schien der Traum von seiner zweiten WM so gut wie geplatzt. Nachdem er sich im letzten Testspiel gegen Ungarn einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel zugezogen hatte, hob der Flieger nach Südafrika zunächst ohne Robben ab.
Doch der bei Real Madrid gescheiterte Angreifer kämpfte verbissen um sein Comeback, reiste nur eine Woche nach dem vermeintlichen WM- Aus ans Kap nach und feierte gegen Kamerun sein umjubeltes Comeback. «Da hat es mich ganz schön durchgeschüttelt, als ich da so an der Seitenlinie stand», bekannte Robben.
Das erste Etappenziel ist mit der Rückkehr auf den Rasen erreicht, nun soll am 11. Juli im Soccer City Stadion von Johannesburg die ganz große Belohnung folgen. «Wir haben eine starke Mannschaft, in der viele Spieler den Unterschied machen können», sagt Robben. Vergleiche mit Argentiniens Zaubermaus Lionel Messi lehnt er ab. «Das bringt doch nichts. Lasst mich doch erst einmal ein bisschen spielen, dann sehen wir weiter», meint der Münchner.
Bei den Bayern hat Robben in der vergangenen Saison noch einmal einen weiteren Schritt in Richtung Superstar gemacht. Nur im Finale der Champions League blieb ihm die Krönung versagt. «In dem Spiel habe ich Franck Ribéry vermisst. Der Fokus des Gegners lag so zu sehr auf mir», erklärt er im Rückblick.
In der «Elftal» sorgen auch Robin van Persie, Wesley Sneijder oder Rafael van der Vaart für viel Gefahr. Die hohe Qualität im «Oranje»- Team gibt Robben die Zeit, wieder vollkommen fit zu werden - und gerade das könnte gegen Gegner wie Brasilien oder Deutschland zum großen Trumpf werden.
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