FIFA: Noch keine Entscheidung über WM-Plätze 2014

Johannesburg (dpa) - Europa grübelt, Afrika zweifelt, Südamerika und Asien spüren noch nie erlebten Rückenwind: Die Welt-Ordnung des Fußballs wird auf Südafrikas Premieren-Bühne in ihren Grundfesten komplett erschüttert.

Als Folge der sportlichen Kultur-Revolution entbrennt hinter den Kulissen schon der Machtkampf um die Startplätze für das Turnier in Brasilien 2014. Gerade die in historischem Ausmaß strauchelnde Großmacht Europa könnte von einer Reduzierung ihres Groß-Aufgebots betroffen sein. Noch blockt die FIFA aber alle Diskussionen ab. «Darüber ist noch keine Entscheidung gefallen. Das steht derzeit überhaupt nicht auf der Tagesordnung», sagte Generalsekretär Je^rome Valcke in Johannesburg.

In Südafrika werden von den 13 Europa-Startern nur drei das Viertelfinale erreichen. Bei allen Weltmeisterschaften seit 1930 haben noch nie so wenig Mannschaften aus Europa unter den letzten Acht gestanden. Die Entscheidung über die Kontingente der sechs Kontinentalföderationen für 2014 fällt das FIFA-Organisationskomitee im kommenden Jahr. Als sicher gilt bislang nur, dass Südamerika unabhängig vom starken Abschneiden in Südafrika mit allen fünf Teams im Achtelfinale durch Gastgeber Brasilien einen Platz mehr bekommen wird. Afrika verliert den Fixplatz von Ausrichter Südafrika, wird aber trotz der enttäuschenden Bilanz auf fünf Starter beharren.

Die Verteilung der 32 WM-Plätze auf die sechs FIFA-Konföderationen ist seit jeher ein Sport-Politikum. Im kommenden Jahr wird die Debatte durch die im Juni anstehende Präsidentenwahl zusätzlich verschärft. Wie unabhängig das Organisationskomitee entscheiden kann, wird mit Argusaugen zu betrachten sein, besonders wenn sich FIFA-Chef Joseph Blatter einem Gegenkandidaten stellen muss. Ein Geschenk in Form einer Startplatz-Aufstockung könnte viele Stimmen eines kompletten Kontinents sichern. Derzeit lautet die Verteilung noch Europa 13, Afrika 6, Asien 4,5, Nord- und Mittelamerika 3,5, Südamerika 4,5 und Ozeanien 0,5 Startplätze mit Relegationsspielen zwischen Asien und Ozeanien sowie Nord- und Südamerika.

Ursache für alle Ränkespiele und Diskussionen sind die sportlichen Fakten. Die Professionalisierung und Globalisierung des Welt-Fußballs hat zu einer Angleichung der Kräfte geführt. «Im Fußball gibt es jetzt mehr Ausgeglichenheit. Jeden Tag sind die Gegner besser und jedes Team kann scheitern», sagte Spaniens Trainer Vicente del Bosque. Sein brasilianischer Kollege Dunga pflichtet bei: «Wir müssen uns weiterentwickeln und das mit den großen Namen vergessen. Vielleicht sollten wir, die aus den traditionell starken Fußball-Ländern kommen, uns besser auf diese Situation einstellen.»

Disziplin, Taktik, konsequente Strategie und kollektive Fitness prägen das Spiel der meisten Mannschaften. Professionalität ist durch die Ausbildung fast aller WM-Akteure in den Top-Ligen Europas kein europäisches Privileg mehr. Nur Afrika hat die Fußball-Anarchie nicht hinter sich lassen können. Trotz des Viertelfinal-Einzugs Ghanas herrschen Ernüchterung und auch Erkenntnis, dass mit kurzfristigen Trainerengagements und dem kulturell verinnerlichten Individualismus bei allem Talent der Einzelspieler kein Erfolg möglich ist. «Wir müssen uns schon jetzt auf 2014 konzentrieren», forderte Südafrikas WM-Chefplaner Danny Jordaan.

Berater: Nordkorea-Spieler wechselt in die Schweiz

Lupsingen (dpa) - Die Fußball-WM hat sich für den ersten Nordkoreaner mit einem Wechsel nach Europa bereits gelohnt, seine Kollegen erholen sich beim Shopping vom ernüchternden Welt-Turnier am Kap.

Rechtsverteidiger Cha Jong Hyok werde in der kommenden Saison für den Schweizer Zweitligisten FC Wil spielen, sagte der Spielerberater Karl Messerli der Nachrichtenagentur dpa. «Nach einem halben Jahr werden wir ihn an einen größeren Verein weitergeben. Es laufen gerade Verhandlungen», sagte der Schweizer, der nach eigenen Angaben die Europa-Transferrechte an Nordkoreas Fußball-Auswahlspielern hält.

Der 24 Jahre alte Cha von Amrokgang Pjöngjang kam in Südafrika bei allen drei Gruppenspielen zum Einsatz. Für den Club aus dem Kanton St. Gallen spielt in Kim Kuk Jin bereits ein früherer Nationalspieler. Aus dem WM-Kader verdienen bislang drei Profis ihr Geld im Ausland - darunter «Asiens Rooney», Jong Tae Se, der beim Club Kawasaki Frontale in Japan kickt.

Die Mannschaft ist laut Messerli zwei Tage nach dem abschließenden 0:3 gegen die Elfenbeinküste aus Südafrika abgereist: «Eine Woche Shopping in Peking, dann zwei, drei Wochen Urlaub mit der Familie.» Die Bevölkerung sei sehr enttäuscht vom Abschneiden bei der zweiten WM-Teilnahme nach 1966. «Die haben erwartet, dass ihre Mannschaft so gut ist wie die anderen. Die Fußball-Verantwortlichen haben aber immer gesagt: 'Wir wollen lernen.' Das war das Motto», sagte Messerli.

Medienberichte über mögliche Strafen für die Südafrika-Fahrer dementierte der Unternehmer. Moon Ki Nam, ein 2004 geflohener nordkoreanischer Trainer, hatte der Agentur AP gesagt, die Spieler würden als Buße für ihre Niederlagen zur Arbeit in Kohleminen verdonnert. «Das sind Märchen, die man immer wieder hört», sagte Messerli. Der Verband dränge vielmehr darauf, seinen Spielern internationale Erfahrung durch Wechsel ins Ausland zu verschaffen.

Nordkorea war nach einem defensivstarken ersten Auftritt gegen Brasilien (1:2) im Duell mit Portugal 0:7 untergangen und konnte auch gegen die Ivorer nicht mehr überzeugen. «Sie haben versucht, über die Offensive ein gutes Resultat zu erzielen, das war eine Fehlentscheidung. Das ist die Spielpraxis auf internationalem Niveau, die ihnen fehlt», meinte Messerli. Derzeit trainieren zwei weitere Nachwuchsspieler in der Schweiz und versuchen den Sprung nach Europa zu schaffen.

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